Wallfahrt auf den Pic du Jer

Wir hätten es auch bequemer haben können. Eine DVD beispielsweise. Wir haben uns trotzdem auf den Weg gemacht, um den Pic du Jer zu erklimmen. Denn wir wissen: oben auf dem Berg, da steht in unseren christlichen Landen zumeist das Gipfelkreuz. Dieses steht für den sich weitenden Blick, von dort sieht man vielleicht auch eine Wirklichkeit, die gern ausgeblendet wird. „Das Gipfelkreuz als Hoffnungszeichen: Wir gehen einen steilen Weg, der uns vielleicht verwandelt“, fasst Pfarrer Mellinghausen aus dem Kölner Raum zusammen.

Ebenfalls die Worte des Pfarrers: Gott gab uns auch die Technik. Deshalb sollen wir sie auch nutzen. Daran haltend haben wir die vorhanden technischen Möglichkeiten in Form einer Bergbahn genutzt, um unsere Leiden zu mindern. Über 150 unserer Kameraden haben dagegen die Möglichkeit einer Fußbesteigung gewählt. Vom Gipfel bietet der Pic du Jer einen wundervollen Blick über Lourdes und in die Pyrenäen.

Das bedeutet Glauben für: OSF Niedermüller

Oberstabsfeldwebel Niedermüller vom Unterstützungspersonal des Standortältesten der 1. Luftwaffendivision in Fürstenfeldbruck ist seit 1984 bei der Bundeswehr und bekannt für seine besondere Aktion „Kreuze aus Lourdes“. Seit seiner Soldatenwallfahrt 2001 flechtet er Kreuze aus gelber Schnur, die er an interessierte Pilger verkauft. Der Erlös wird von ihm gespendet und kommt u.a. dem Soldatenhilfswerk zugute. Bisher hat er fast 15.000 Euro zusammen. Bis zu seiner Pensionierung in 6,5 Jahren sollen es 20.000 werden. Er ist das 11mal in Lourdes.

„Glauben ist für mich Hoffnung, Liebe und Vertrauen.
Glauben bedeutet für mich auch: selbstloses Handeln für andere“.

„Wir Soldaten sind Verteidiger des Lebens“

Erster gemeinsamer Gottesdienst der Soldaten an der Mariengrotte in Lourdes. An dieser Stelle, an der 1858 der heiligen Bernadettes die Muttergottes erschienen sein soll, feierten heute morgen österreichische, deutsche und schweizer Kameraden gemeinsame Messe. „Tut, was Christus euch sagt!“, so die Worte des österreichischen Militärbischofes. Er hob hervor, welch hohes Gut das Leben ist. „Wir Soldaten sind Verteidiger des Lebens“.

Das bedeutet Glauben für: Pfarrhelfer Elmar Fries

Elmar ist seit 1993 Pfarrhelfer in Veitshöchheim und schon 34 Jahre bei der Bundeswehr (vorher war er im KWEA). Theologie hat er im Fernkurs an der Domschule in Würzburg absolviert. Er ist verantwortlich für Veitshöchheimer Pilger. Dies ist seine 17 Wallfahrt.

„Glauben ist für mich ein wichtiger Mittelpunkt in meinem Leben. Ich persönlich glaube an eine höhere Macht, die uns leitet und die uns führt. Unser Weg ist von Geburt an vorgegeben. Glaube kann Berge versetzen und bedeutet für mich auch Verständigung und Kommunikation.“

Ankunft und erste Eindrücke von Lourdes

Mehr als 22 Stunden Zugfahrt haben unser Wohlbefinden geprägt. Vor allem, wenn der Sambawagen ausgiebig besucht wurde. Daher heute nur ein paar kurze Worte zur gestrigen Nacht und zu den ersten Eindrücken in Lourdes.

Mehr als 22 Stunden Zugfahrt gaben aber auch Gelegenheit für viele interessante Gespräche über Glauben, über die unterschiedlichsten Lebenswege und die Macht von Lourdes. Erste Frage an jeden Pilger: Wie oft warst du schon? Eine genaue Antwort, was diesen Wallfahrtsort so außergewöhnlich macht und immer wieder dazu verführt ihn zu besuchen, konnte uns bisher keiner geben. Allgemeine Antwort: Das muss man erlebt haben. Das Schöne daran: wir werden es erleben!

Nach mehr als 22 Stunden Zugfahrt wurden wir im Bahnhof mit einem Begrüßungsständchen des Luftwaffenmusikkorps 1 aus Neubiberg empfangen. Die Pilgergruppen trennten sich, denn einige wohnen im Hotel, die Masse der Soldaten aber im Zeltlager. Am späteren Nachmittag trafen sich die Veitshöchheimer Pilgerer dann zu einer ersten geführten Besichtigung des Heiligen Bezirkes. Beeindruckend. Einerseits der von Souvenirshops gesäumte Weg zum Bezirk, andererseits die beeindruckende Kulisse im Bezirk selber. Morgen geht es auf Fußwallfahrt auf den hiesigen Hausberg, den Pic du Jer, und wir werden unsere Serie „Glauben ist…“ internationalisieren.

Erster Halt: Offenburg

Erstaunen bei den Bürgern von Offenburg, die mit solchen Eindrücken an diesem Mittwochabend sicher nicht gerechnet haben. Nachdem die Abteile halbwegs eingeräumt sind und eine erste Orientierung im Zug hergestellt ist, heisst es: Dienstanzug an und antreten zum Eröffnungsgottesdienst in der Heilig Kreuz Kirche, die Mutterkirche der Offenburger, die nach einem Stadtbrand im 17. Jhdt auf den Grundfesten einer Kirche aus dem 13. Jhdt. wiederaufgebaut wurde.

Eindrucksvoll marschieren die Soldaten in Formation vom Bahnhof zur Kirche, voran die Fahnen und der deutsche Zug, gefolgt von den litauischen Kameraden, die uns in unserem Zug begleiten. Erhebend denn auch der Vortrag des Evangeliums in der litauischen Sprache: beeindruckender Klang der uns fremden Sprache.

Der Gottesdienst gibt erste Gelegenheit zur Andacht und Besinnung. Die Wallfahrt ist eine neue Erfahrung für viele mitgereiste Pilger. Auf ihr wird es möglich sein, gemeinsam neue Wege in unbekannte Räume zu gehen.

Das bedeutet Glauben für: OG Marius Herr

OG Marius Herr ist Freiwillig Wehrdienstleistender bei den Sanitätern in Veitshöchheim. Gebürtiger Rhöner und zukünftiger Student. Lourdes 2012 ist seine erste Wallfahrt.

„Die christliche Religion ist für mich eine Tradition. Ich verbinde mit ihr schöne Stunden der Gemeinsamkeit in meiner Kindheit. Zurzeit habe ich den Kontakt zur Kirche etwas vernachlässigt und suche nach meinem eigenen Weg.“

Das bedeutet Glauben für…

„Den Herrn kann man nur anrufen, wenn man an ihn glaubt“. Was bedeutet das konkret? Glauben? In einer Zeit, in der viele nur noch an Geld glauben, an die nächste Errungenschaft des Konsums? Wohin führt Glauben? Gibt er Orientierung in einer Zeit der Orientierungslosigkeit? Ist er die Suche nach dem Grund des Daseins?

In einer Portaitserie wollen wir die Teilnehmer der Wallfahrt zu Wort kommen lassen und sie befragen, was für sie Glauben bedeutet. Warum und woran sie glauben. Also, auf gehts…

Endlich, es geht los.

Einfahrt des Zuges im Bahnhof Frankfurt (West).Zwei Stunden Busfahrt von unserem Heimatstandort Veitshöchheim liegen hinter uns, Frankfurt und der, zugegebenermaßen eher schmucklose, Frankfurter Westbahnhof begrüßten uns bei strömenden Regen, der der allgemein positiven und erwartungsfrohen Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Der Einstieg in den Sonderzug ist geglückt, das Schlafabteil wird eingerichtet. Los  geht’s, nächster Halt: Offenburg. Dort wird der Eröffnungsgottesdienst für die Soldatenwallfahrt gefeiert.